Windenergie

01.06.2020 Daniel Milbradt

 

Windenergie in Schaumburg

 

Zur Windenergie gibt es in den Medien immer wieder kontroverse Berichterstattung. Dabei ist ein wirksamer Klimaschutz ohne Ausbau der Windenergie kaum möglich. Wir möchten daher zur Versachlichung der Diskussion beitragen und mit einigen Vorurteilen aufräumen.

 

Der Klimaschutz als global vereinbartes politisches Ziel beinhaltet bis 2050 den vollständigen Verzicht auf die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas, um die Erderwärmung auf etwa 1,5 Grad zu begrenzen. Die Notwendigkeit wird von tausenden unabhängigen Studien weltweit bestätigt, so auch vom Weltklimarat IPCC, dem unter anderem die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) sowie die Regierungen von 195 Staaten angehören. In Deutschland ist der Ausstieg aus der Kohleverstromung bis 2038 beschlossen, 15 weitere Länder haben den Kohleausstieg schon für einen früheren Zeitpunkt fixiert.

 

Als Ersatz für die fossilen Energieträger dienen insbesondere Solar- und Windenergie, da Biogas oft in Konkurrenz zu Nahrungserzeugung steht und die Flächen begrenzt sind. Ein gleichmäßiger Ausbau der beiden Erzeugungsformen ist wichtig, denn die Stromversorgung ist nur durch eine Kombination beider sicherzustellen: Im Sommer sind die Tage lang und die Sonneneinstrahlung stark, der Wind weht oft aber nur schwach. Hier ist die Solarenergie zur Versorgung wichtig. Diese kann uns im Winter mit kurzen und dunklen, aber häufig windigen Tagen jedoch nicht versorgen. Dafür benötigen wir die Windenergie. In Kombination decken beide zusammen gut 80% unseres Bedarfs. Für die übrigen Zeiten und zur Überbrückung der immer wieder bemühten Dunkelflaute kommen z.B. die Umwandlung von Strom in Wasserstoff (Power-to-Gas), Akkus von Elektroautos, Sektorenkopplung und intelligente Stromnetze (Smart Grids) In Betracht. Insgesamt sind alle Technologien vorhanden, um eine grundlastfähige Stromversorgung sicherzustellen.

 

Dabei ist die Stromerzeugung durch Wind und Sonne durch den technischen Fortschritt mit ca. 5ct/kWh inzwischen günstiger als durch Kohle- oder Atomkraft (zum Vergleich: der Strom aus der Steckdose kostet rund 30 ct/kWh aufgrund von Steuern und eines nicht austarierten Umlagesystems). Aufgrund dieser günstigen Erzeugung boomt die Windenergie weltweit, stärker als in Deutschland. Die größten Zuwächse gibt es in China und den USA, s. Grafik. Die Windkraft ist somit ein Exportschlager und Wachstumsmotor der Zukunft und mitnichten ein deutscher Sonderweg, wie immer wieder behauptet wird. Auch die Solarindustrie, die wir vor einigen Jahren durch ungenügende politische Unterstützung nach China verloren haben, sichert dort heute hunderttausende Arbeitsplätze.

 

Natürlich verdienen die Betreiber mit Windkraftanlagen auch Geld, wie jeder selbständige Tankstellenbetreiber oder Handwerker. Im Vergleich zur Kohleverstromung oder Ölförderung kommt der Erlös aber nicht nur wenigen Großkonzernen zugute, sondern einer breiten mittelständischen Basis. Ideal sind regionale Bürgerenergiegenossenschaften, bei denen die Bürger ihren Strom selbst vor Ort erzeugen und der Erlös die Kaufkraft vor Ort stärkt.

 

Kritik gibt es häufig an der Höhe der Windkraftanlagen (WEAs). Da der Wind in größerer Höhe aber konstanter und stärker weht, lässt sich hierdurch der Strom deutlich günstiger und zuverlässiger erzeugen - eine Forderung, die immer wieder an die erneuerbaren Energien gestellt wird. Eine dezentrale Erzeugung über alle Landkreise hinweg trägt zusätzlich zur Stabilität bei und verringert den Bedarf an teuren großen Stromtrassen.
 

Ein weiteres Thema beim Windkraftausbau sind Geräuschentwicklung und Infraschall. Infraschall (Schall unter 20 Hertz) wird vom Menschen nicht gehört, aber über den Körper als Vibration wahrgenommen. Er kann aus künstlichen (z.B. Verkehr, WEAs) oder natürlichen Quellen (Meeresbrandung, starker Wind) stammen. Bei WEAs bestimmen gesetzliche Auflagen wie z.B. die TA Lärm als Teil des Bundesimmissionsschutzgesetzes (BImSchG) Planung und Betrieb. Diese Auflagen sind aber z.B. nicht anzuwenden bei Straßen- und Schienenverkehrslärm, Fluglärm, Sportlärm und Baustellen. Für einen Großteil der Deutschen, die in Städten wohnen, greift diese TA Lärm also im Alltag im Gegensatz zu WEAs nicht.

 

Dennoch wird die Unsicherheit über die noch recht neue Technik der Windenergie oftmals von Lobbyvereinen der Kohle- und Atomindustrie geschickt und häufig unbemerkt genutzt, um Ängste zu schüren und so erfolgreich gegen die Energiewende Stimmung zu machen.

 

Der Strombedarf wird sich durch die Verkehrs- und Wärmewende in den nächsten Jahren weiter erhöhen. Bei einer kompletten Umstellung auf Elektromobilität steigt der Strombedarf um rund 25%. Bei Wasserstofffahrzeugen würden wir aufgrund der energieintensiven Erzeugung und Umwandlungsverluste sogar die dreifache zusätzliche Menge benötigen - ein Grund, warum die meisten Fachleute für den Individualverkehr auch keinen Wasserstoffbetrieb empfehlen. Er wäre alleine aufgrund des Stromverbrauchs zumindest dreimal so teuer. Weiterer Strombedarf entsteht durch Umstellung der Öl- und Gasheizungen auf Wärmepumpen, denn auch das Heizen mit Wärme aus dem Boden oder der Umgebungsluft benötigt Strom. Insgesamt ist die Umstellung aber technisch möglich und wird sich durch die staatlich unterstützten Investitionen zu einem Konjunkturprogramm auch für regionale Handwerker entwickeln.

 

Allerdings kommt die Entwicklung seit gut einem Jahr ins Stocken, da an vielen Orten kleinere Gruppen lautstark mit unterschiedlichen Begründungen, gegen die Windkraft mobilisieren. „Man sei ja für den Klimaschutz, nur eben nicht an dieser Stelle!“ und „Windkraft wirke sich negativ auf bedrohte Vogelarten aus!“. Diese Behauptung ist wissenschaftlich inzwischen in vielfachen Studien widerlegt. Die Summe dieser Aktionen hat aber leider den Klimaschutz in Deutschland im letzten Jahr massiv behindert, obwohl die schweigende Mehrheit für die Energiewende ist. Hier gilt es, vorurteilsfrei und mit dem entsprechenden Fachwissen zur Aufklärung beizutragen. Es muss die Verhältnismäßigkeit zwischen der Zielsetzung des Ausbaus der Erneuerbaren Energien und der tatsächlichen Gefährdung der durch die Vorhaben Betroffenen gewahrt werden. Denn wenn wir unsere Lebensgrundlage erhalten wollen, gibt es keine Alternative zur Energiewende.

 

 

"Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Schutzmauern, die anderen bauen Windmühlen." (Chinesisches Sprichwort)