Mobilität

01.06.2020 Daniel Milbradt

 

Die fünf häufigsten Vorurteile zur Elektromobilität

Ein erheblicher Teil des CO2-Austoßes resultiert aus dem Verkehrssektor. Wirksamer Klimaschutz ist daher ohne eine Verkehrswende nicht möglich. Neben einer Stärkung des ÖPNV sowie des Radverkehrs kommt für den unvermeidbaren motorisierten Individualverkehr der Elektromobilität eine große Bedeutung zu. Daher möchten wir hier die gängigsten Vorurteilen zur E-Mobilität ausräumen:

Vorurteil 1 "Das setzt sich nicht durch": Sämtliche Hersteller arbeiten inzwischen global mit Hochdruck an der Elektrifizierung ihrer Flotten. In den nächsten zwei Jahren kommen rund 100 verschiedene Modelle auf den Markt. Hintergrund ist, dass in immer mehr Staaten das Datum, ab dem die Neuzulassung von Verbrennungsmotoren nicht mehr erlaubt ist, bereits feststeht. Aktuell sind es rund 15, so zum Beispiel Großbritannien (2035), Frankreich (2040), Taiwan (2035), Israel (2030), Indien (2030), Kanada (2040), in China wird das Verbot über eine stetig steigende Quote umgesetzt. In Europa sind die spätestens ab 2030 geltenden Emissionsvorschriften mit Verbrennungsmotoren und auch den meisten aktuellen Hybridfahrzeugen nicht mehr zu erfüllen.

Vorurteil 2 "Die Ladeinfrastruktur ist schlecht und die Stromnetze brechen zusammen": Elektroautos werden meist zu Hause geladen. Die Reichweite beträgt je nach Modell bis zu 550 Kilometer. Man wartet jedoch nicht mehr, bis der Tank fast leer ist, um sich dann an einer Tankstelle anzustellen, sondern steckt abends bequem den Stecker in die heimische Wallbox oder Steckdose. Diese lädt in der Regel mit 3 kWh. Das ist nicht mehr, als ein Elektroherd verbraucht, der ja auch nicht die Netze zusammenbrechen lässt. Dennoch lässt sich auf diese schonende Weise jede Nacht Energie für rund 250 km Reichweite nachladen. Für den Alltagsgebrauch mehr als genug, ideal für Pendler. Wenn es doch mal schnell gehen muss, ist der Akku an einer Schnellladestation in rund einer halben Stunde wieder weitgehend aufgetankt, das benötigt man meist aber nur im Urlaub.

Vorurteil 3 "Wir warten auf das Wasserstoffauto": Die Herstellung von Wasserstoff und synthetischen Kraftstoffen ist äußerst energieintensiv. Bei der Herstellung von Wasserstoff gehen 2/3 der eingesetzten Energie verloren, bei synthetischen Kraftstoffen sind es rund 90%. Die Strommenge, mit der ein Elektroauto 100km zurücklegen kann, reicht beim Wasserstoffauto somit nur für 30km, bei synthetischen Kraftstoffen sogar nur für 10km. Oder anders herum: Für Wasserstoff-Mobilität würden wir die dreifache Anzahl Windräder benötigen, bei synthetischen Kraftstoffen die zehnfache. Entsprechend wären auch die Treibstoffkosten höher bei der Elektromobilität. Wasserstoff ist als Speicher sehr wichtig für die Energiewende, sollte aufgrund der Umwandlungsverluste aber nur dort zum Einsatz kommen, wo die direkte Elektrifizierung nicht möglich ist, zum Beispiel bei Lkws, Schiffen usw. In jedem Fall ist zur Reduzierung der Co2-Emissionen des Verkehrssektors der weitere Ausbau von Wind- und Sonnenenergie unverzichtbar.
 
Vorurteil 4 "Elektroautos sind zu teuer": Kleinwagen deutscher Hersteller gibt es mit einer Reichweite von rund 260km bereits ab rund 20.000,-- Euro. Abzüglich der Prämie von 6.000,-- Euro kosten sie mit 14.000,-- Euro nicht mehr als ein vergleichbarer Verbrenner, sind aber deutlich besser ausgestattet und verfügen über bessere Beschleunigung.  Der Stromverbrauch liegt bei unter 5,-- EUR pro hundert Kilometer und damit deutlich niedriger als bei Verbrennern, außerdem sind die Fahrzeuge von der Kfz-Steuer befreit, weniger wartungsintensiv und es fällt keine Co2-Steuer an.

 

Vorurteil 5 "Der Diesel ist sauberer": Durch den stetig steigenden Anteil erneuerbarer Energien wird der getankte Strom immer sauberer. Das gilt auch für den Strom, der für die Herstellung der Akkus verwendet wird. Diese haben inzwischen eine Haltbarkeit von mehreren hunderttausend Kilometern, mitunter also mehr als das gesamte Fahrzeug. Anschließend lassen sie sich zu über 90% recyceln, so dass die wertvollen Rohstoffe wie Lithium nicht für jedes Fahrzeug neu abgebaut werden müssen. Keinesfalls ist das Fracking, bei dem im größten Ölförderland USA zur Ölförderung große Mengen Wasser und Chemikalien in den Boden gepresst werden, sauberer als die klimafreundliche Alternative. Die früheren Studien, nach denen ein Elektroauto erst nach 200.000km Laufleistung sauberer ist, als ein Diesel, wurden bereits vor einiger Zeit von ihren Autoren revidiert.

Fazit: Der Verein BürgerEnergiewende Schaumburg e.V. empfiehlt beim nächsten geplanten Autokauf eine Probefahrt mit einem Elektroauto, es lohnt sich! Es ist nicht nur klimafreundlicher, sondern vermittelt auch erheblich mehr Fahrspaß als ein herkömmliches Verbrennermodell. Die Beschleunigung ist atemberaubend, dennoch fährt das Auto lautlos und ohne Vibrationen. Die Ausstattung ist in der Regel deutlich besser als beim Verbrenner. (Daniel Milbradt)

 

 

Alle wollen zurück zur Natur, aber keiner zu Fuß. (Werner Mitsch)