Klimaschutz

01.04.2021 Manfred Görg: Beitrag für BEnW-Newsletter April 2021 zu Atomenergie

 

In der letzten Zeit erscheinen auch in seriösen Medien wie z. B. der ZEIT immer wieder Beiträge, die die weitere Nutzung bzw. den Ausbau der Atomenergie als Beitrag zum Klimaschutz als Option anpreisen. Die deutsche Entscheidung, aus Atomenergie und fossiler Energie auszusteigen, wird als Irrweg dargestellt. Diese Beiträge sind weniger von der Sorge um das Erreichen der Klimaschutzziele von Paris 2015 geleitet, als von der Absicht, noch einmal Zweifel am Atomausstieg zu verbreiten, bevor Ende nächsten Jahres die letzten deutschen Atomkraftwerke abgeschaltet werden. Wir sollten uns bewusst machen, dass diese Beiträge einem jahrzehntealten Muster der Atomlobby folgen, einerseits die Atomenergie als Lösung aller Energie­probleme zu verherrlichen und andererseits Alternativen zu diskreditieren.

 

Atomkraft ist jedoch keine Alternative! Nicht nur die enormen Risiken schwerer Unfälle mit großer Verstrahlung, die Eignung als terroristischer Anschlagsziele und Möglich­keiten der militärischen Proliferation in einer immer unsicheren Welt und die unge­lösten Probleme einer sicheren Endlagerung des Atommülls für unvorstellbar lange Zeiträume sprechen dagegen. Auch ökonomisch ist die Atomkraft überholt. Neue Atomkraftwerke sind ungeheuer kapitalintensiv und können daher nur noch mit staatlicher Unterstützung und garantierten Stromabnahmepreisen errichtet werden. Für das umstrittene neue britische AKW in Hinkley Point wurde ein Stromabnahmepreis von 11 ct/kWh auf 35 Jahre (mit Inflationsausgleich) vereinbart! Zum Vergleich: Die Vergütung von PV-Strom nach dem EEG liegt aktuell bereits unter 10 ct/kWh mit weiter sinkender Tendenz, Windstrom lässt sich bereits zu 6-9 ct/kWh erzeugen, PV-Strom zukünftig an sonnenreichen Standorten zu 2-4 ct/kWh.

Dazu kommen lange Bauzeiten, in denen noch keine einzige Kilowattstunde Atomstrom, aber jede Menge zusätzliches CO2 produziert werden. (mehr https://www.swr.de/swr2/wissen/swr2-wissen-2019-12-16-100.html) Zum Beispiel ist das 2002 bestellte finnische AKW Olkiluoto 3 das zum Verkaufsmodell eines neuen europäischen Druckreaktortyps werden sollte, bis heute nicht am Netz. Die Baukosten sind zwischenzeitlich explodiert. Die reguläre  Stromeinspeisung soll zur Zeit im Februar 2022 beginnen.

 

Auch die u. a. von Bill Gates propagierten kleinen modularen Reaktoren (SMR), die angeblich kostengünstig Strom erzeugen könnten, schnell zu bauen seien und gleichzeitig die Sicherheits- und Atommüllprobleme lösen würden, existieren bisher nur auf dem Papier. Wir erinnern uns: Mit diesen – unerfüllten – Versprechungen fing schon vor 70 Jahren das sog. Atomzeitalter an!

 

Angesichts der ökonomischen Fakten setzen auch nur noch wenige Staaten auf den Ausbau der Atomenergie, meist in Verbindung mit militärischen Optionen oder weil sie sich aufgrund falscher energiepolitischer Entscheidungen der Vergangenheit auf diesem Irrweg in eine Sackgasse verrannt haben (mehr unter https://www.sonnenseite.com/de/energie/es-gibt-keine-renaissance-der-atomenergie/ ).

 

Aber auch die Diskreditierung der Energiewende mit ihren Hauptsäulen der Effizienz­revolution und des Umstiegs von atomar-fossilen auf erneuerbare Energien ist durch die Entwicklung widerlegt. So zeigt eine kleine Präsentation der AGORA Energiewende, dass Atomausstieg und Energiewende durchaus Hand-in-Hand gehen (https://static.agora-verkehrswende.de/fileadmin/user_upload/10_Jahre_Fukushima_Agora_v4.pdf ). Es gab weder eine Stromlücke – das meist bemühte Schreckgespenst gegen den Atomausstieg – noch einen Anstieg der Stromimporte, sondern im Gegenteil eine Zunahme des Exportüberschusses, u. a. wegen der niedrigen Börsenstrompreise aufgrund der hohen Einspeisungen aus erneuerbaren Quellen. Statt einer Abnahme der Versorgungssicher­heit gab es eher eine Zunahme und Deutschland steht im internationalen Vergleich sehr gut da. Für die privaten Haushalte sind die Stromkosten zwar angestiegen, aber eher wegen der politischen Entscheidungen, wie die EEG-Umlage berechnet und was alles an Kosten auf deren Strompreis unter Entlastung gewerblicher Kunden draufgepackt wird.

 

Wir treten nun in die entscheidende Phase ein, in der im Rahmen der sogenannten Sektorkopplung bei der Bereitstellung von Prozesswärme für die Industrie, der Niedertemperaturwärme für den Gebäudebereich und der Mobilitätsdienstleistungen immer mehr die fossilen Energieträger Erdöl und Erdgas durch erneuerbar erzeugten Strom ersetzt werden müssen. Das wird trotz aller Effizienzgewinnen gegenüber heute zu einem deutlich höheren Strombedarf führen. Die erneuerbare Stromerzeugung wird dabei gegenüber der noch verbleibenden fossilen Stromerzeugung sehr schnell die dominierende Rolle übernehmen müssen, wenn Deutschland seinen internationalen Verpflichtungen gegenüber der Paris-Konvention und den EU-Vorgaben nachkommen will.  Das Bundeswirtschaftsministerium behindert dies bisher eher als das es dies befördert!

 

Dazu bedarf es dann zwar auch der Entwicklung einer Wasserstoffstrategie zur saisonalen Speicherung von erneuerbarem Strom aus Überschuss- in Mangelzeiten und für spezielle Bedarfe in der Mobilität und der Industrie. Aber da dieser Wasserstoff überwiegend elektrolytisch mit Strom erzeugt werden, gespeichert und ggf. wieder verstromt werden muss, steigern die dabei entstehenden Verluste den zukünftigen Strombedarf noch mal mehr. Absolute Priorität muss daher der beschleunigte Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugung haben: Um den Faktor 5-10 beschleunigter PV-Ausbau auf Dächern; zusätzliche Realisierung von PV-Freiflächenanlagen, wo möglich unter Mehrfachnutzung der benötigten Flächen; und auch weiterer Ausbau der Windstromerzeugung durch konsequentes Repowering vorhandener und Erschließung neuer Standorte. Damit muss sich auch der Landkreis konsequent auseinandersetzen!

 

Und es bedarf eines völlig neuen Strommarktdesigns, das dezentrale Eigenerzeugung („Haus als Kraftwerk“), Quartierskonzepte zur gemeinsamen Erzeugung und Speicherung („Prosumerkonzepte“), sog. „zellulare Ansätze“ zum Ausgleich von Überschüssen und Defiziten fördert und nicht blockiert.  Auch dies erwarten wir von Berlin!

 

Wir sind schon auf dem Weg zu einer Energieversorgung ohne klimagefährdende  Emissionen  weiter vorangekommen, als sich das viele vor einigen Jahren noch vorstellen konnten. Aber es gibt noch viel zu tun und wir kommen nun in die entscheidende Phase! Atomenergie kann dazu keinen Beitrag leisten. Lassen wir uns also nicht ablenken!

 

 

29.12.2015 Manfred Görg: Broschüre über Grundlagen der anthropogenen (von Menschen gemachten) Klimaerwärmung und die gezielt verbreiteten Zweifel daran 

 

 

Schon lange warnt die Klimaforschung vor einer drohenden Klimaerwärmung, die für die – an die heutigen klimatischen Verhältnisse angepasste – menschliche Gesellschaft große Gefahren birgt. Im Gegensatz dazu gibt es einen Personenkreis, der die Erkenntnisse der Klimawissenschaft nicht anerkennt, die sogenannten „Klimawandelskeptiker“ oder kurz „Klimaskeptiker“. Dabei ist sich die wissenschaftliche Gemeinschaft über die Ursachen der Klimaerwärmung weitgehend einig. Das Umweltbundesamt (UBA) hat dazu schon 2013 eine Broschüre entwickelt, die Sie hier finden können UBA Und sie erwärmt sich doch . Die Broschüre gibt im ersten Teil Antworten auf häufig gestellt Fragen zum Klimawandel. Im zweiten Teil klärt sie über die Entstehung und gezielte Verbreitung von Zweifeln an den wissenschaftlichen Erkenntnissen zur anthropogenen Klimaerwärmung sowie die dahinterstehenden Organisationen auf. Die Broschüre enthält zum Schluss Hinweise und Links zu weiteren Informationsquellen (ab S. 114).

 

 

Wir empfehlen diese Broschüre allen, die von den Zweiflern irritiert sind und sich gerne intensiver mit den Hintergründen befassen möchten.

 

 

 

03.12.2015 Manfred Görg: Der Pariser Gipfel als Friedenskonferenz

 

 

Beim Klimagipfel in Paris geht es nicht nur um die Verhinderung irreversibler Klima­schocks, die bei einer Erhöhung der globalen Mitteltemperatur um mehr als 2 Grad Celsius erwartet werden – die Hälfte davon haben wir schon erreicht -, sondern auch um die Verhinderung zunehmender weltweiter Instabilität mit den Folgen inner- und zwischenstaatlicher Konflikte und wachsender Flüchtlingsströme. Dies thematisierte schon der letzte Weltklimabericht (IPCC-Report) von 2014, ohne dass es die gleiche Aufmerksamkeit in den Medien gefunden hätte wie die Voraussagen der physischen Auswirkungen wie z. B. Hitzewellen, Dürrekatastrophen, Überflutungen und schwere Stürme.

 

In vielen Weltregionen, die besonders vom Klimawandel betroffen würden, z. B. die Sahelzone und der sog. Nahe Osten, können die Folgen des Klimawandels bereits vorhandene Spannungen und Konflikte um fruchtbares Land, um Wasser und andere natürliche Ressourcen dramatisch verschärfen. So rechnet die OECD bei ungebremstem Klimawandel bereits in naher Zukunft mit weltweit mehr als 200 Millionen Klima­flüchtlingen. Die von den derzeitigen Bürgerkriegen in Syrien, Irak und Afghanistan ausgelösten Flüchtlingswellen geben einen Vorgeschmack, was geschehen wird, wenn wir den Klimawandel nicht stabilisieren und den betroffenen Ländern bei der Bewälti­gung der nicht mehr vermeidbaren Folgen des bereits nicht mehr vermeidbaren Klimawandels helfen.

 

Vor diesem Hintergrund hat die in Deutschland eingeleitete Energiewende eine weit über den direkten Klimabeitrag Deutschlands hinausgehende Bedeutung. Sie ist ein in der ganzen Welt vielbeachtetes Modell. Wenn uns die gelingt und wir gleichzeitig auch unseren Überkonsum zurückfahren und die soziale Verteilungsgerechtigkeit stärker beachten, dann wird dies eine große Beispielwirkung auf die Entwicklung in der Welt haben. Wenn es uns nicht gelingt, dann allerdings auch!

 

 

02.12.2015 Aus Onlinekurs MOOC "Klimawandel und seine Folgen"

 

1. Was ist Klima?

Das Klimasystem besteht aus den Teilsystemen Land, Ozean, Atmosphäre, Biosphäre und Eissphäre, die unterschiedlich schnell auf äußere Einflüsse reagieren. Das Klima wird durch Mittelwerte, Extremwerte und Häufigkeiten der Wetterparameter (wie Temperatur und Niederschlag) über mehrere Jahrzehnten beschrieben.

2. Was ist der natürliche Treibhauseffekt?

Natürliche Treibhausgase in der Atmosphäre, das sind Wasserdampf, CO2 (Kohlendioxid), Methan, Lachgas und weitere, halten einen Teil der Wärme-Abstrahlung der Erde zurück. Das führt zu einer Erwärmung und dadurch erst zu lebensfreundlichen Bedingungen auf der Erde.

3. Was ist der anthropogene Treibhauseffekt?

Menschliche Aktivitäten bewirken einen zusätzlichen Ausstoß von Treibhausgasen. Vor allem durch die Verbrennung fossiler Energieträger im Bereich Stromerzeugung, Wärme und Verkehr in allen Sektoren, aber auch durch Veränderung der Landoberfläche (z. B. durch Abholzung, Landwirtschaft oder Viehzucht).

Dies verstärkt den Treibhauseffekt. Die Folge: seit 1900 ist die globale Mitteltemperatur um 0,8°C und der Meeresspiegel durch Eisschmelze um 20 cm gestiegen. Regional wirkt sich das unterschiedlich stark aus.

4. Was bedeutet Klimawandel?

Das Klimasystem folgt natürlichen Schwankungen, die von internen Faktoren und externen Faktoren beeinflusst sind. Aufgrund der menschgemachten Verstärkung des Treibhauseffekts liegt die derzeitige Klimaänderung außerhalb der natürlichen Schwankungsbreite. Ein menschengemachter Erwärmungstrend ist klar erkennbar.

5. Was können wir tun?

In den vergangenen Jahrzehnten wurde die Zunahme der Treibhausgas-Emissionen durch Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum angetrieben. Unser Wirtschaftssystem, unser Wirtschaftswachstum und der damit verbundenen Wohlstand sind eng mit der Nutzung fossiler Energieträger verbunden. Um den Klimawandel und seine Folgen abzumildern, sind eine Umstellung auf Erneuerbare Energien und Energieeffizienzsteigerungen unverzichtbar.

 

 

01.10.2015 ICCA2015 - Kommunen gestalten die Zukunft  Erklärung von Hannover 

 

Quelle Niedersächsisches Umweltministerium

 

 

Bildung ist die mächtigste Waffe, um die Welt zu verändern. (Nelson Mandela)