Mobilität
Als Mobilitätswende (Verkehrswende) wird der gesellschaftliche, technologische und politische Prozess bezeichnet, Verkehr und Mobilität auf nachhaltige Energieträger, sanfte Mobilitätsnutzung und eine Vernetzung verschiedener Formen des Individualverkehrs und des öffentlichen Personennahverkehrs umzustellen. Sie beinhaltet auch einen kulturellen Wandel, eine Umverteilung des öffentlichen Raums und eine Umleitung von Geldströmen. Eine solche Verkehrswende bezieht auch den Güterverkehr ein.
Die EU hat bereits 2019 in ihrer "Clean-Vehicles"-Richtlinie beschlossen, dass ab dem Jahr 2030 nur noch 35 % der Linienbusse durch Verbrenner angetrieben werden dürfen.
Auch die Reaktivierung von Bahnstrecken gehört zur Mobilitätswende. Ziel bis 2030 ist die Verdopplung der Fahrgastzahlen im öffentlichen Personenverkehr und ein Wachstum im Schienengüterverkehr um 25 Prozent. Angesichts der Herausforderungen des Klimawandels und der Teilhabe der ländlichen Regionen an zukunftsfähigen und attraktiven Verkehrsangeboten ist die Reaktivierung von Bahnstrecken ein wichtiger Faktor. Verkehrlich sinnvolle Reaktivierungsvorhaben müssen vorangetrieben werden, um rasch positive Effekte für den Klimawandel zu erzeugen.
Der Förderverein Eisenbahn Rinteln-Stadthagen e.V. setzt sich seit Jahren für die Aktivierung und Erneuerung der alten Bahnlinie Rinteln - Stadthagen ein.
Die fünf häufigsten Vorurteile zur Elektromobilität
Ein erheblicher Teil des CO2-Austoßes resultiert aus dem Verkehrssektor. Wirksamer Klimaschutz ist daher ohne eine Verkehrswende nicht möglich. Neben einer Stärkung des ÖPNV sowie des Radverkehrs kommt für den unvermeidbaren motorisierten Individualverkehr der Elektromobilität eine große Bedeutung zu. Daher möchten wir hier die gängigsten Vorurteilen zur E-Mobilität ausräumen:
Grafik: F.Tegtmeier
Vorurteil 1 "Das setzt sich nicht durch": Sämtliche Hersteller arbeiten inzwischen global mit Hochdruck an der Elektrifizierung ihrer Flotten. In den nächsten Jahren kommen rund 100 verschiedene Modelle auf den Markt. Hintergrund ist, dass in immer mehr Staaten das Datum, ab dem die Neuzulassung von Verbrennungsmotoren nicht mehr erlaubt ist, bereits feststeht. Aktuell zum Beispiel Großbritannien (2035), Frankreich (2040), Taiwan (2035), Israel (2030), Indien (2030), Kanada (2040), in China wird das Verbot über eine stetig steigende Quote umgesetzt.
Vorurteil 2 "Die Ladeinfrastruktur ist schlecht und die Stromnetze brechen zusammen": Elektroautos werden meist zu Hause geladen. Die Reichweite beträgt je nach Modell bis zu 550 Kilometer. Man wartet jedoch nicht mehr, bis der Tank fast leer ist, um sich dann an einer Tankstelle anzustellen, sondern steckt abends bequem den Stecker in die heimische Wallbox oder Steckdose.
Das Ladesäulenregister der Bundesnetzagentur enthält 135.691 Normalladepunkte und 44.247 Schnellladepunkte, die am 1. Oktober 2025 in Betrieb waren. An den Ladepunkten können gleichzeitig insgesamt 7,33 GW Ladeleistung bereitgestellt werden.
Masterplan Ladeinfrastuktur 2030 der Bundesregierung
Im Koalitionsvertrag hat die Bundesregierung den Ausbau einer flächendeckenden, bedarfsgerechten und nutzerfreundlichen Ladeinfrastruktur sowohl für Pkw als auch für Lkw vereinbart. Die Einbindung des Ladens an Depots und Betriebshöfen, Preistransparenz, technische Vereinheitlichung sowie das bidirektionale Laden und das Laden beim Arbeitgeber werden dabei berücksichtigt.
Vorurteil 3 "Wir warten auf das Wasserstoffauto": Die Herstellung von Wasserstoff und synthetischen Kraftstoffen ist äußerst energieintensiv. Bei der Herstellung von Wasserstoff gehen 2/3 der eingesetzten Energie verloren, bei synthetischen Kraftstoffen sind es rund 90%. Die Strommenge, mit der ein Elektroauto 100km zurücklegen kann, reicht beim Wasserstoffauto somit nur für 30km, bei synthetischen Kraftstoffen sogar nur für 10km. Oder anders herum: Für Wasserstoff-Mobilität würden wir die dreifache Anzahl Windräder benötigen, bei synthetischen Kraftstoffen die zehnfache. Entsprechend wären auch die Treibstoffkosten höher bei der Elektromobilität. Wasserstoff ist als Speicher sehr wichtig für die Energiewende, sollte aufgrund der Umwandlungsverluste aber nur dort zum Einsatz kommen, wo die direkte Elektrifizierung nicht möglich ist, zum Beispiel bei Lkws, Schiffen usw. In jedem Fall ist zur Reduzierung der Co2-Emissionen des Verkehrssektors der weitere Ausbau von Wind- und Sonnenenergie unverzichtbar.
Vorurteil 4 "Elektroautos sind zu teuer": Der Markt für Elektroautos entwickelt sich positiv – zumindest auf der Angebotsseite. So wird nicht nur die Auswahl an Modellen verschiedener Fahrzeugklassen stetig größer, auch die Listenpreise sinken. Außerdem sind die Fahrzeuge von der Kfz-Steuer befreit, weniger wartungsintensiv und es fällt keine Co2-Steuer an. Man sollte allerdings nicht nur auf den Kaufpreis achten. Der ADAC hat die Gesamtrechnung aller Kosten aufgemacht.
Vorurteil 5 "Der Diesel ist sauberer": Durch den stetig steigenden Anteil erneuerbarer Energien wird der getankte Strom immer sauberer. Das gilt auch für den Strom, der für die Herstellung der Akkus verwendet wird. Diese haben inzwischen eine Haltbarkeit von mehreren hunderttausend Kilometern, mitunter also mehr als das gesamte Fahrzeug. Anschließend lassen sie sich zu über 90% recyceln, so dass die wertvollen Rohstoffe wie Lithium nicht für jedes Fahrzeug neu abgebaut werden müssen. Keinesfalls ist das Fracking, bei dem im größten Ölförderland USA zur Ölförderung große Mengen Wasser und Chemikalien in den Boden gepresst werden, sauberer als die klimafreundliche Alternative. Die früheren Studien, nach denen ein Elektroauto erst nach 200.000km Laufleistung sauberer ist, als ein Diesel, wurden bereits vor einiger Zeit von ihren Autoren revidiert.
Fazit: Der Verein BürgerEnergiewende Schaumburg e.V. empfiehlt beim nächsten geplanten Autokauf eine Probefahrt mit einem Elektroauto, es lohnt sich! Es ist nicht nur klimafreundlicher, sondern vermittelt auch erheblich mehr Fahrspaß als ein herkömmliches Verbrennermodell. Die Beschleunigung ist atemberaubend, dennoch fährt das Auto lautlos und ohne Vibrationen. Die Ausstattung ist in der Regel deutlich besser als beim Verbrenner.
Alle wollen zurück zur Natur, aber keiner zu Fuß. (Werner Mitsch)








